Von Julia Seeliger

Simon Müller stellt den Router in unserem Büro auf und erzählt, dass er es diese Woche „endlich mal“ geschafft habe, sich mit Leuten von Freifunk zu treffen. Wer sich mal bei deren Mailingliste angemeldet hat, weiß, dass bei Freifunk Köln-Bonn und der Region drumherum schon was los ist. In Bonn ist vor allem die Altstadt gut vernetzt – in der Bonner Innenstadt hingegen „sieht es noch sehr mau aus“, wie Müller erzählt. Das Büro der Kommunalpiraten ist erst der zweite Zugang in der Bonner Innenstadt – nach der Bäckerei Kamps.

Karte Bonn Innenstadt

Die lokale Freifunkcommunity habe speziell mit Bäckereien in letzter Zeit gute Erfahrungen gemacht, erzählt Müller weiter, diese seien häufig sehr offen und kooperativ. In Bäckereien frühstücken die Leute und schauen Nachrichten mit ihrem Handy an, so wie sie früher zum Frühstück Nachrichten in der gedruckten Zeitung lasen. Kneipenbesitzer hingegen seinen zum Teil weniger leicht zu begeistern und das, obwohl es in Kellerkneipen oft gar kein Netz gibt.

Aber für manche Kneipenbesitzer ist das ganz richtig so – sie wollen gar keine Leute, die auf ihr Handy starren oder gar mit ihrem Computer kommen. Die Leute sollen was trinken, Kaffee oder Bier, und sich unterhalten. Leute mit Computer sitzen die ganze Zeit da und trinken wenig.

Doch jetzt kommen wir. Wir versorgen die Kneipen und unser ganzes Umfeld mit freiem offenem WLAN. Seit kurzem steht im Büro der Piratengruppe auch ein TP-Link Router. Genauer gesagt stehen hier nun drei Router, einer von der Telekom, einer von Asus – und der neue TP-Link, der Freifunk machen wird.

TP-Link-Router mit austauschbarer Firmware

Letzterer ist besonders nerdig: Bei den TP-Link-Routern wird sogar damit geworben, dass man die Firmware austauschen kann und gegen andere freie Linux-Distributionen zu ersetzen – so lange sich die Original-Firmware wieder aufspielen lässt, geht das, ohne die Garantie zu verlieren. Dass der Austausch des Betriebssystems ohne Hürden möglich ist, ist eine wichtige Forderung von Hackern an die Industrie: Geräte sollen so gebaut werden und solche Nutzungsbedingungen haben, dass man viel mit ihnen anfangen kann, also hinein sehen, sie verändern – und eben eine neue Firmware aufspielen.

Das Betriebssystem, mit dem Freifunk arbeitet, heißt OpenWRT und ist eine Linux-Distribution, Freie Software, der Programm-Code ist verfügbar und für Menschen lesbar und man darf ihn an seine Bedürfnisse anpassen, es entspricht also den Ansprüchen, dass man in das System hineinsehen kann, mit ihm spielen, es verändern und am Ende der Öffentlichkeit seine Weiterentwicklungen zurückgibt.

Was passiert, wenn jemand über den Freifunk-Zugang der Kommunalpiraten Bonn Straftaten begeht? Müller verweist auf andere, die Freifunk zum einen mit juristischen Mitteln wie „negativer Feststellungsklage“ und Auslegung des „Providerprivilegs“, sowie technisch durch umleiten des Datenverkehrs schützen. Der gesamte Freifunktraffic wird verschlüsselt per VPN zum Server des Chaos Computer Club (CCC) Berlin geleitet und erst dort ins Internet geroutet. Aus dem Internet sieht man also immer die IP des Servers des CCC Berlin. Dort werden also auch die Abmahnanwälte mit ihrer Störerhaftung auflaufen. Da gibt es eigentlich nur noch wenige Ausreden, nicht bei dem Projekt mitzufunken und sein Internet mit anderen zu teilen.

Wir strahlen Internet in die Welt, andere meshen

Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten, an Freifunk teilzuhaben: einmal Router mit Internet Uplink, so wie bei uns, Kommunalpiraten Bonn. Wir strahlen Internet in die Welt. Andere Router meshen sich nur, wie Müller sagt, sie verteilen das Internet weiter, das von uns und anderen in die Welt gestrahlt wird. Das Meshen sei sehr sinnvoll, so Müller, es erweitere und stärke das Netz und sorge unter anderem für mehr Stabilität und Zuverlässigkeit, denn: „Wenn hier in der Gegend fünf vermeshte Router rumstehen würden, von denen mehrere einen eigenen Uplink hätten, dann hätte man auch Ausfallsicherheit, falls mal ein Internetuplink ausfällt“.

Jeder kann kommen und jetzt auch in der Bonner Innenstadt, direkt am Rathaus, mit Freifunk surfen. Simon Müller freut sich, dass es geklappt hat und sagt „besonders für die Blow-Up-Treppe wird das sicherlich was sein“. Abends sind wir leider nicht im Büro, aber vielleicht ist das neu verfügbare Freifunk-Internet ja eine Motivation, die Bonner Kneipenlandschaft mal etwas aktiver zu explorieren. So könnte das Internet allen nützen, sogar den Kneipenwirten.

Kommunalpiraten Bonn stellen Freifunk-Zugang bereit: „Super für die Blow-Up-Treppe“
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