Wir Bonner Piraten haben uns schon in der Vergangenheit unbeliebt gemacht, als wir mal die Schließung der Bonner Oper gefordert hatten. Auch wenn etwas ähnliches sogar mal von Oberbürgermeister (OB) Nimptsch gefordert wurde, so passt es den Freunden der alten Kultur ja gut ins Klischee-Bild vom digitalen Kulturzerstörer, wenn sich Piraten in solchen Bereichen einmischen.

Jetzt fordern wir vom OB, dass er die Bürger nicht täuscht über die Kosten, die ein Opernbesuch kostet. Der neue kommunalpolitische Sprecher der Piratenpartei Martin Knoop geht Nimptsch hart an und wirft ihm in einer Presseerklärung vor, zu „flunkern“. Das hat der General-Anzeiger nur zu gerne aufgenommen und bringt das eingängige Rechenbeispiel prompt, nicht ohne zu erwähnen, dass auch die Godesberger Kammerspiele in diese Milchjungenrechnung mit einbezogen wurden.

Ausriss Artikel GA

In einer Presseeklärung vom 13. Oktober hatten die Piraten erklärt, ihre Einschätzungen zur Lage der hiesigen Kultur durch die jüngsten Äußerungen der Schauspieldirektorin Nicola Bramkamp bestätigt zu sehen. In ihrem Offenen Brief fordert sie: „Lasst uns über Kunst reden!“. Gerade vom Kongress „Save the World“ (Motto: ist die Welt noch zu retten?) kommend, motiviert Bramkamp, die Sparliste der Kämmerei noch einmal genauer anzusehen.

Offener Brief von Nicola Bramkamp

Der Etat des Theaters Bonn soll ab 2018 um acht Millionen gekürzt werden. Dieser Vorschlag kommt von der Kämmerei und ist ein Empfehlungspapier. Er wird in den nächsten Monaten vom sich neu bildenden Stadtrat diskutiert. Es ist also kein „Beschluss“, sondern eine Option, ohne politische Handlungskonsequenz. In dem Papier steht nichts von einer Spielstättenschließung. Vom Ende der Kammerspiele ist nirgendwo die Rede, das ist die Interpretation des Bonner General-Anzeigers. Fakt ist, dass man acht Millionen Einsparung noch nicht einmal mit der Spartenschließung Schauspiel erzielen würde. Man müsste die Oper schließen.

Was Bramkamp im Nebensatz sagt, ist die Meinung der Bonner Piraten. Und auch wir machen uns Sorgen um die Godesberger Kammerspiele, wie sich ja an unserem Rechenbeispiel zeigt. Wir stehen für das Dezentrale, wir wollen die Kleinen in den Stadtteilen erhalten, anstatt auf prestigeträchtige Großprojekte wie die Oper zu setzen. Auch wenn es dort ab und zu schöne Vorführungen gibt, so ist das Konzept Oper für Bonn vielleicht doch etwas überdimensioniert, zumal der Bereich der Hochkultur einer von wenigen Bereichen ist, in dem sich die Bonner sogar überversorgt fühlen.

So zu lesen auch in der Piraten-Presserklärung: „Viel zu lange schon haben die herrschenden Ratsparteien an einer Oper festgehalten, die sich unsere Stadt nicht leisten kann. Stets haben wir gefordert, dass sich die örtliche Kulturpolitik in den Dienst der Stadtgesellschaft stellen muss und vor allem die Stadtteile beleben muss.“ Neben der „baldigen Einstellung des Opernbetriebes“ sollen die Bürger nach Ansicht der Bonner Kommunalpiraten in einem Ratsbürgerentscheid über folgende Fragen abstimmen

  • Verkauf des Operngebäudes und Verlagerung des dortigen Schauspielbetriebes in die Beethovenhalle und
  • Schließung des Kunstmuseums, bis die Stadt einen ausgeglichenen Haushalt hat oder ein anderer Betreiber (z.B. das Land NRW) gefunden wird

Unser Stadtverordneter Dr. Carsten Euwens wird im Zuge dessen vom General Anzeiger zitiert.

Oper verkaufen Vorschau

„Oper verkaufen“, na wenn das mal nicht „piratisch“ ist, wie sich so mancher die Partei vorstellt … und, Hand aufs Herz, wenn man „Schwimmbäder schließen“ dagegen rechnet, so wie es ja üblicherweise gemacht wird, klingt es gar nicht mehr so schrecklich schlimm, nicht wahr. Und noch ist die Oper ja offen, noch haben wir sie nicht verkauft – hier das Programm der Spielzeit 14/15.

Flankierend zum Thema unsere heutige Presseerklärung: Bonner Ratspiraten warnen vor Bonner Kulturinfarkt – Rettet die Theater im Veedel!


Nichts ist mehr sicher, alles wird weggespart. Alles wird verkauft. Sogar die Bonner Oper.

Doch sicher ist: Demnächst werden wir als Kommunalpiraten Bonn eine Exkursion in die Bonner Oper machen.

Wir Kulturfreunde
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