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Die Bonner Verkehrsbetriebe stehen aufgrund des drohenden Fahrverbots für Dieselfahrzeuge vor der schwierigen Aufgabe, den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen. Mit dem Blick nach Wien, wo die Preise für Monats- und Jahrestickets drastisch reduziert worden sind, müssen hierfür möglicherweise neue Wege beschritten werden. Die Sozialliberalen haben einen Antrag eingebracht, in dem die Verwaltung beauftragt wird, die Umsetzbarkeit des Wiener Modells in Bonn zu prüfen.

Der öffentliche Nahverkehr in Bonn steht vor großen Herausforderungen. Einerseits müssen dringend notwendige Investitionen in Busse und Bahnen getätigt werden, wie zuletzt unter anderem anhand des mehrtägigen Ausfalls des Verkehrs auf der Linie 61 zu sehen war. Andererseits müssen zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden, weil die Fahrgastzahlen in Zukunft weiter steigen werden. Dieser Trend könnte sich noch weiter verstärken, wenn das Bundesverwaltungsgericht ein Fahrverbot von Dieselfahrzeugen in Innenstädten verhängt. Der Fahrgastzuwachs stellt die Bonner Verkehrsbetriebe zwar vor eine schwierige Aufgabe, zugleich bietet sich hierdurch jedoch die Chance, mehr Pendlerinnen und Pendler zum Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr zu bewegen. Dies kann jedoch nur durch eine höhere Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und eine bessere Servicequalität gelingen.

Wie dies erreicht werden kann, kann man in der Stadt Wien sehen, wo seit Jahren bereits konsequent in den öffentlichen Nahverkehr investiert und das Angebot sukzessive ausgebaut wird. Um die Innenstadt vom Autoverkehr zu entlasten, wurden die Preise für Monats- und Jahrestickets teilweise erheblich gesenkt. Gleichzeitig wurden die Parkgebühren, die Preise für Einzelfahrten sowie die Strafen für Fahrgäste ohne gültiges Ticket angehoben. Infolge der neuen Tarifstruktur ist die Zahl der Fahrgäste um rund 100 Millionen pro Jahr gestiegen. Trotz der drastischen Reduzierung der Ticketpreise sind die Erlöse aus dem Fahrkartenverkauf, anders als zunächst befürchtet, von 458 Millionen in 2011 auf 503 Millionen Euro in 2017 gestiegen. Keine Veränderung hat es jedoch beim Kostendeckungsgrad des öffentlichen Nahverkehrs gegeben, der damals wie heute bei rund 60 Prozent liegt.

„Es ist dringend notwendig, neue Wege zu beschreiten, um den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen. Die Tatsache, dass das Monatsticket in Bonn im deutschlandweiten Vergleich am zweitteuersten ist, erfordert ein Reformierung des Preissystems des VRS „, so Felix Kopinski, Fraktionsvorsitzender der Sozialliberalen. „Die drohenden Fahrverbot werden hoffentlich genug Druck erzeugen, um ein Umdenken bei der Ratskoalition zu bewirken“, so Kopinski weiter.

Wiener Modell für Bonn? – Krise im ÖPNV erfordert neue Lösungen