© Alfred Kerger

Nur wenige Tage stand das Mahnmal zum Gedenken an den Völkermord an den Armeniern, bis es von der Stadt Köln wieder entfernt wurde. Der Bundesrepublik Deutschland kommt nicht nur wegen der deutschen Geschichte, sondern auf Grund der Mitwirkung des deutschen Kaiserreichs am Genozid der Armenier im Osmanischen Reich eine besondere Verpflichtung zu, das Gendenken an die Ermordung von über einer Millionen Menschen aufrechtzuerhalten. Aus diesem Grund fordern die Sozialliberalen die Verwaltung auf, sich mit den Initiatoren in Verbindung zu setzen, um die Möglichkeit zu erörtern, ob das Mahnmal in Bonn einen Platz finden kann.

Am 15. April 2018 wurde in Köln nahe der Hohenzollernbrücke von der Initiative „Völkermord erinnern“ eine Stahl-Skulptur aufgestellt, um an die Ermordung von 1,5 Millionen Armeniern vor gut 100 Jahren im Osmanischen Reich zu erinnern. Da die Initiatoren für die Aufstellung des Denkmals keine offizielle Genehmigung besaßen, kündigte die Stadt Köln an, das Mahnmal entfernen zu wollen. Nachdem der Antrag der Initiative auf einstweiligen Rechtsschutz vor dem Verwaltungsgericht abgewiesen wurde, wurde das Mahnmal schließlich am 19. April entfernt.

Aktuell befinden sich die Stadt Köln und die Initiative „Völkermord erinnern“ in Gesprächen, um einen alternativen Standort für das Mahnmal zu finden. Falls die Verhandlungen scheitern, sollte sich die Stadt Bonn schnellstmöglich mit der Initiative in Verbindung setzen, um zu erörtern, ob für die Initiatoren auch die ehemalige Hauptstadt als Standort des Mahnmals in Frage käme.

Bereits in 2016 hat der Deutsche Bundestag die Resolution „Erinnerung und Gedenken an den Völkermord an den Armeniern und anderen christlichen Minderheiten in den Jahren 1915 und 1916″ verabschiedet. Im Antragstext heißt es:

„Der Bundestag bedauert die unrühmliche Rolle des Deutschen Reiches, das als militärischer Hauptverbündeter des Osmanischen Reiches trotz eindeutiger Informationen auch von Seiten deutscher Diplomaten und Missionare über die organisierte Vertreibung und Vernichtung der Armenier nicht versucht hat, diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu stoppen.“ Auf der Stele befindet sich ein Text, mit dem auf die Mitverantwortung des deutschen Kaiserreichs hingewiesen wird.

„Anlässlich des 24. April, dem weltweiten Gedenktag an den armenischen Völkermord, böte sich für die Stadt Bonn als ehemaliger Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland und dem zweiten bundespolitischen Zentrum mit dem Aufstellen des Mahnmals die Möglichkeit, der unrühmlichen
Rolle des Deutschen Reiches bei dem Völkermord Rechnung zu tragen und daran in angemessener Weise zu erinnern“, kommentiert Felix Kopinski, Fraktionsvorsitzender der Sozialliberalen.

Aus diesem Grund haben die Sozialliberalen einen Antrag eingebracht, in dem die Verwaltung damit beauftragt wird, sich mit der Initiative in Verbindung zu setzen und nach geeigneten Standorten für das Mahnmal in Bonn zu suchen.

Antrag Mahnmal zum Gedenken an den armenischen Völkermord

Verwaltung soll Standort in Bonn für das Mahnmal zum Gedenken an den armenischen Völkermord prüfen