Zu weich für die Politik

Zu frustrierend die Ratspolitik, zu wenig Erfahrung mit Langfristigkeit, zermürbt durch ewige Streits in den Social Media Kanälen: die Kommunalpiraten Bonn streichen die Segel und eröffnen in ihrem Ratsbüro einen Coffee Shop. Feierliche Eröffnung am 1. April um 16:20 Uhr.

Felix Kopinski, Stadtverordneter und cannabiswirtschaftspolitischer Sprecher der Kommunalpiraten Bonn teilt hierzu mit: „Festspielhaus, WCCB, Büchereischließungen, jedes Mal wieder weinende Kinder im Stadthaus – es reicht. Das kann doch kein Mensch nüchtern ertragen! Wir haben uns deswegen entschieden, die uns von der Stadt zugewiesenen Mittel sinnvoller zu nutzen als bisher. Am heutigen Mittwoch werden wir aus Theorie Praxis machen: es gibt keine Alternative zum Coffee Shop, deswegen werden wir heute Schluss machen mit dem Ratsquatsch und endlich in die große Wirtschaft einsteigen.“

Julia Seeliger, Geschäftsführerin und überzeugte Cannabislegalisiererin, ergänzt: „Kein langwieriges Gelese der Ratsdokumente mehr, keine sinnlosen Anfragen, die eh keiner beachtet, und nie wieder schlecht recherchierte Artikel aus dem General Anzeiger ausschneiden – so macht die Ratsarbeit Spaß. Ein wenig vermissen werde ich natürlich die Reden von Herrn Dr. Gilles, aber mit einem fetten Joint werde ich auch diesen Verlust überleben.“

Dr. Carsten Euwens, bürgerbeteiligungspolitischer Sprecher und Stadtverordneter, hat alles auf die Bürgernähe geprüft und kommt zu dem Schluss: „Bonn will das so. Wissenschaftliche Studien legen nahe, dass beim Cannabis die Wahrheit unterdrückt wird, damit muss endlich Schluss sein! Jeden Tag erhalten wir in unserem Ratsbüro hunderte Zuschriften von empörten Cannabisgebrauchern. Ihre Grundrechte werden massiv eingeschränkt, damit muss endlich Schluss sein! Wir Piraten stehen für eine selbstorganisierte Politik, deswegen bleibt uns überhaupt keine andere Wahl, als nun mit Steuergeldern einen Coffee Shop zu eröffnen.“

Im Ratsbüro der Piraten wird es ab sofort nicht nur das feinste Sativa und Indica geben, sondern auch Hanföl, Haschisch und alles weitere, was das Kifferherz zum Hüpfen bringt.

Eventuellen Übergriffen durch die lokale Polizei wurde bereits präventiv entgegen gewirkt. Durch beste Kontakte ins Polizeipräsidium – Felix Kopinski hat sich in vorauseilender Klugheit in den Polizeibeirat wählen lassen – wurden die rechtlichen Spielräume bereits sondiert. Dort ist man zwar ebenfalls von unnötiger Arbeit durch die Bearbeitung von geringfügigen Betäubungsmittelverstößen genervt, sieht das Vorhaben der Piraten aber dennoch kritisch. Davon lassen wir Piraten uns aber nicht entmutigen. „Wenn wir Bonner ein Volk von Zögerern und Zauderern wären, würden wir vermutlich immer noch am Kongresszentrum bauen. Manchmal darf man nicht ewig diskutieren, sondern sollte erst mal eine rauchen gehen.“, so Kopinski weiter.

Abschließend ergänzt die Geschäftsführerin: „Die Eröffnung unseres Coffee Shops ist auch als Solidaritätsadresse nach Freiburg und in den Görlitzer Park zu Berlin zu verstehen.“ Im Görlitzer Park, der inzwischen in Drogenfragen legendär geworden ist, soll es heute ein ‚Smoke In‘ gegen die verfehlte Politik von Grünen bis CDU geben. Julia Seeliger hat die Idee der Coffee Shops in Freiburg und im Görlitzer Park selbst erfunden, in der grünen Hauspostille „taz“ bekannt gemacht und ist enttäuscht von der mangelnden Gestaltungskraft der Ökopartei. „Viel zu lange wurde gezögert und das Thema Cannabis auf die lange Bank geschoben. Den Wähler betrügen können wir auch – deswegen wird bei uns ab heute um zwanzig nach vier am Nachmittag nur noch gekifft.“

Feierliche Eröffnung am Mittwoch, den 1. April um 16:20 Uhr

Büro der Piraten
Rathausgasse 5 – 7
Gleich neben dem Hausmeister

Piraten eröffnen Coffee Shop im Rathaus
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