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Das Bonner Operngebäude ist in einem desolaten Zustand und dringend sanierungsbedürftig. Um zumindest die schwerwiegensten Mängel zu beseitigen, hat der Stadtrat eine sechsstellige Summe bereitgestellt. Weitere 75 Millionen Euro sollen in den Jahren nach dem Beethovenfest 2020 folgen. Es ist jedoch zu befürchten, dass es nicht bei dem veranschlagten Betrag bleiben wird, sondern dass es zu den bei Großprojekten üblichen Kostensteigerungen kommt. Aus diesem Grund sprechen sich die Sozialliberalen dafür aus, auf die Opernsanierung zu verzichten und das eingesparte Geld in anderen Bereichen zu verwenden, die bereits von Kürzungen betroffen waren, unterfinanziert sind oder bei denen Einsparungen drohen.

„Nachdem bereits eine Kostenexplosion bei der Sanierung der Beethoven-Halle droht, möchte die Stadt nun erneut Millionen für die Instandsetzung der Oper in die Hand nehmen. Angesichts der angespannten Haushaltslage der Stadt und den üblichen Kostensteigerungen bei Großprojekten halten wir es für unverantwortlich, nicht über Alternativen nachzudenken“, so Felix Kopinski, Fraktionsvorsitzender der Sozialliberalen im Rat der Stadt Bonn.

Schon beim Vorbeilaufen am Rheinufer kann man feststellen, dass das Bonner Operngebäude inzwischen ziemlich in die Jahre gekommen ist. Dieser Eindruck bestätigt sich, sobald man in den Innenbereich kommt. Wie man Presseberichten in den vergangenen Wochen entnehmen konnte, ist die Lage offenbar noch schlimmer als gedacht, sobald man einen Blick hinter die Kulissen werfen kann: die Bühnentechnik veraltet, der Brandschutz nicht mehr zeitgemäß, leckende und von Legionellen befallene Warmwassertanks. Laut der Projektleiter der Planungsgesellschaft, die den Zustand des Operngebäudes unter die Lupe genommen haben, ist der Zustand des Operngebäudes an manchen Stellen schon so desolat, dass dort „Gefahr im Verzug“ sein könnte.

Mit rund 218.000 Euro für die Instandsetzung der Dachterassenflächen wurden im September 2016 bereits die ersten Mittel für Sanierungsarbeiten bereitgestellt, geschätzte 140.000 Euro für die Erneuerung der Warmwasserbereitung werden in den kommenden Wochen folgen. Laut Generalanzeiger beziffert Generalintendant Bernhard Helmich den Sanierungsbedarf für das Bonner Oper auf 75 Millionen Euro, die in sechs bis acht Jahren nach dem Beethovenfest 2020 investiert werden müssen. Nachdem der Stadtrat bereits im vergangenen Jahr einen Millionenbetrag für die Renovierung der Beethoven-Halle gebilligt hat, soll nun also erneut der städtische Geldbeutel für die Sanierung eines weiteren maroden Veranstaltungsgebäude geöffnet werden.

Wie bei vielen Großprojekten ist zu befürchten, dass die veranschlagten Kosten sich wahrscheinlich verdoppeln, vielleicht sogar verdreifachen werden. Bei der Sanierung der Beethoven-Halle wird bereits jetzt, nur wenige Monate nach Beginn der Bauarbeiten, mit einer Kostensteigerung von mehreren Millionen gerechnet. In Köln, wo die Sanierung der Oper eigentlich schon abgeschlossen sein sollte, sich die Wiedereröffnung aber weiter verzögert, waren ursprünglich Kosten von 250 Millionen Euro eingeplant, inzwischen werden von der Stadt 460 Millionen Euro veranschlagt.

Angesichts der angespannten Haushaltslage plädiert die Fraktion „Die Sozialliberalen“ dafür, auf die Opernsanierung zu verzichten und die Oper stattdessen zu schließen, womit jährlich weitere 20 Millionen Euro eingespart und in den jahrelang vernachlässigten Politikbereichen eingesetzt werden könnten. Hierzu zählen beispielsweise: die Bonner Bäder, die Sanierung von Schulen, die Förderung Offener Ganztagsschulen, der Ausbau von Kita-Plätzen, Stadtteilbüchereien, Sportstättensanierung, die Förderung der freien Kultur oder der Ausbau von Radwegen.

Opernsanierung kostet mindestens 75 Millionen Euro – Die Sozialliberalen befürchten Kostenexplosion