© Bengin Ahmad (CC BY-ND 2.0)
© Bengin Ahmad (CC BY-ND 2.0)

Mehr als 10.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind nach ihrer Ankunft in Europa spurlos verschwunden. Die europäische Polizeibehörde Europol hat darauf hingewiesen, dass sich inzwischen eine „kriminelle Infrastruktur“ gebildet hat, die von den Flüchtlingsströmen profitiert. Die mehr 4700 Flüchtlingskinder in Deutschland, deren Aufenthaltsort laut Bundeskriminalamt (BKA) unbekannt ist, offenbaren, dass es auch im deutschen Kinderschutzsystem riesige Lücken gibt.

Es ist erschreckend, wie viele minderjährige Flüchtlinge offenbar verschwunden sind“, so Felix Kopinski, Stadtverordneter der Piratengruppe im Rat der Stadt Bonn. „Dabei sind in die Zahlen nur die Flüchtlingskinder einbezogen, die überhaupt schon auf europäischen Boden registriert worden sind. Mit hoher Wahrscheinlichkeit liegt die Dunkelziffer um einiges höher“, gibt Kopinski zu Bedenken. „Vor diesem Hintergrund möchten die Bonner Piraten auf die besondere Lage der schutzbedürftigen minderjährigen Flüchtlinge aufmerksam machen.“

Anfang Februar 2016 schlug die europäische Polizeibehörde Europol Alarm: Mehr als 10.000 allein reisende Flüchtlingskinder sind in den vergangenen 18 bis 24 Monaten nach ihrer Ankunft in Europa spurlos vom Erdboden verschwunden. Grundlage dieser Zahlen sind laut Europol Berichte aus den EU-Mitgliedsstaaten, von Nichtregierungsorganisationen (NGO) sowie sonstiger internationaler Organisationen. Erschreckende Zahlen kommen auch Deutschland. Laut Bundeskriminalamt (BKA) waren Anfang des Jahres knapp 4800 minderjährige Flüchtlinge bei deutschen Behörden registriert, deren Aufenthaltsort unbekannt ist. Davon waren über 400 Flüchtlinge 13 Jahre alt oder jünger.

Es ist zum Glück sehr unwahrscheinlich, dass alle als vermisst geltenden Flüchtlingskindern ein schlimmes Schicksal ereilt hat. Gründe für ihr Verschwinden können die bekannten bürokratischen und administrativen Probleme bei der Registrierung und Aufteilung auf die Bundesländer sein, was Vielfachzählungen bei den Vermisstenmeldungen wahrscheinlich macht. So schwanken die Vermisstenzahlen manchmal von Tag zu Tag um 200 bis 300 Fälle. Zudem reisen die minderjährigen Flüchtlinge oftmals auf eigene Faust weiter zu Verwandten in anderen Teilen Deutschlands oder im europäischen Ausland.

Leider geben diese Erklärungsansätze kein Grund zur Beruhigung, denn es wurde von unterschiedlichen Polizeibehörden ebenso wie von Hilfsorganisationen schon darauf hingewiesen, dass sich inzwischen eine „kriminelle Infrastruktur“ gebildet hat, die von den Flüchtlingsströmen profitiert. Kriminelle Banden, die bisher als Schleuser aufgetreten sind, nutzen Flüchtlinge immer öfter für Sexarbeit und Sklavenarbeit aus.

Die Piraten möchten auf das Schicksal tausender vermisster Flüchtlingskinder in Deutschland aufmerksam machen, die aufgrund der Lücken im deutschen Kinderschutzsystem, der Gefahr ausgesetzt sind, in die Hände krimineller Banden zu fallen.

http://www2.bonn.de/bo_ris/daten/o/pdf/16/1611118.pdf

Update: Laut Bundeskriminalamt wurden in 2015 rund 8000 minderjährige Flüchtlinge als vermisst gemeldet, wovon ca. 800 Vermisste auf NRW entfielen. Bei 28 Prozent der als vermisst gemeldeten Flüchtlingen konnte inzwischen der Aufenthaltsort ermittelt werden. Die Prüfung der Verwaltung hat ergeben, dass in Bonn im Zeitraum vom 1. Januar bis zum 20. Juni 2016 sieben unbegleitete minderjährige Flüchtlinge als vermisst gemeldet wurden, wobei die genauen Gründe für das Verschwinden bzw. der derzeitige Aufenthaltsort nur in Einzelfällen ermittelt werden konnte.

https://www2.bonn.de/bo_ris/daten/o/pdf/16/1611118ST2.pdf

Mehrere tausend Flüchtlingskinder in Deutschland werden vermisst – Piraten fordern Aufklärung
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