Der bewaffnete Arm des Bonner Spießbürgertums

Späher Bonn
Ja, wo feiern sie denn? Späher in Bonn

Nachdem das Ordnungsamt bereits vor Jahren die Rheinaue in eine weitestgehend partyfreie Zone verwandelt hatte, wurden 2014 die anlasslosen Kontrollen auf das gesamte Bonner Rheinufer ausgedehnt. Nun stellt sich das Ordnungsamt selbst ein Einser-Zeugnis aus, wenn es um die Beurteilung der Ergebnisse seiner Arbeit geht. „Die Resonanz der Bürgerinnen und Bürger fiel in diesem Jahr wieder sehr positiv aus.“, so die Stadtsheriffs. Während Schwarz-Grün das Ordnungsamt darum bat, die Kontrollen mit „mit Augenmaß und Toleranz“ vorzunehmen, kritisieren die Kommunalpiraten Bonn die Maßnahme als überzogen und unsinnig.

Dazu erklärt Felix Kopinski, Stadtverordneter der Piraten: „Zweimal die Woche Wildpinkler verwarnt, alle zwei Wochen Alkohol beschlagnahmt und noch seltener Zigaretten vernichtet zu haben – das spricht für alles mögliche, nur nicht für Augenmaß und Toleranz. Für solche Kleinigkeiten brauchen wir beim besten Willen keine Dauerbestreifung der Rheinufer. Hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Allerhöchstens wird ein erhöhtes Sicherheitsgefühl für die Teile der Bevölkerung suggeriert, die sich von feiernden Jugendlichen oder falsch aufgestellten Holzkohleggrills bedroht fühlen. Die Streifen des Ordnungsamtes sind der bewaffnete Arm des Bonner Spießbürgertums.“

Die Kommunalpiraten fordern Rat und Verwaltung auf, die anlasslosen Kontrollen einzustellen und schließen sich der Beschlussvorlage der Linken an, durch die die Lärmproblematik im heute tagenden Hauptausschuss erneut zum Thema gemacht wird.

Beueler Rheinufer
Idyllisch, aber langweilig – und immer älter: Bonn

„Bonn ist nicht als Partymetropole bekannt, ganz im Gegenteil. Die Bonner Jugend fährt zum Feiern nach Köln und anderswo. Lärmmotzkis und Lärmsheriffs tragen regelmäßig ihren Teil dazu bei. Davon kann sich Jedermann an den Wochenenden auf Gleis Eins des Bonner Hauptbahnhofs überzeugen. Die Züge aus Köln sind gähnend leer, die Züge nach Köln quellen über von jungen Leuten in Feierstimmung. Wer tatsächlich Augenmaß hat, wird zwangsläufig erkennen müssen, dass das Ruhebedürfnis einiger Bonner Mitbürger einfach nur übertrieben ist. Unsere Stadt entwickelt sich wegen sowas immer mehr zu einer subkulturellen Einöde“, erklärt Kopinski abschließend.


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