In der gestrigen Sitzung des Sozialausschusses ließ die Verwaltung die Bombe platzen: Auf dem Gelände der ehemaligen Poliklinik wird kein sozialer Wohnraum geschaffen. Ursprünglich war seitens der Stadt geplant, dort zwischen 120 und 150 Wohneinheiten zu errichten, die zu 100% gefördert werden sollten. Demnach wurde die Verwaltung von der Geschäftsführung der Uniklinik darüber in Kenntnis gesetzt, dass das Klinikum auf dem Gelände gegenüber der Beethovenhalle ein Wohnheim für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bauen möchte. Weil die Uniklinik ein Vorgriffrecht besitzt, hat die Stadt das Nachsehen.

Die Lage, in der sich die Stadt nun wiederfindet, ist selbst verschuldet. Anfänglich sollte nämlich auf dem Grundstück des ehemaligen Studentenwohnheims am Erzbergerufer der dringend benötigte soziale Wohnraum geschaffen werden. Nachdem die Ratskoalition jedoch beschlossen hatte, diesen Standort für einen Hotelneubau auszuschreiben, musste ein Ersatzgrundstück gesucht werden. Nach Angaben des Oberbürgermeisters wurde mit dem Gelände der ehemaligen Poliklinik ein geeignetes Grundstücks gefunden.

Da dies nun Makulatur ist, muss sich der Oberbürgermeister und die Verwaltung kritische Fragen gefallen lassen. „In den Diskussionen über die Ausschreibung des Erzbergerufers hat der Oberbürgermeister den Eindruck erweckt, als wäre der Kauf des Geländes der Poliklinik reine Formsache“, so Sebastian Kelm, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Sozialliberalen. Wie sich nun herausgestellt hat, ist dies nicht der Fall. „Es wurden offensichtlich weder frühzeitig entsprechende Verhandlungen geführt, noch Verträge abgeschlossen. Ich erwarte vom Oberbürgermeister, dass nun zügig Alternativflächen gesucht werden, um den dringend benötigten sozial geförderten Wohnraum innenstadtnah zu schaffen“, so Kelm weiter.

Zudem stellt sich die Frage, ob die Poliklinik überhaupt als Standort eines Wohnheims für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geeignet ist. „Möglicherweise wäre es sinnvoller, einen anderen Standort in der Nähe des Venusbergs zu suchen. So könnte man die Wege für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu ihrer Arbeitsstelle kurz halten und weiteren Verkehr auf den ohnehin schon überlasteten Strecken in Bonn vermeiden“, ergänzt Stephan Post, Mitglied im Sozialausschuss.

Keine Sozialwohnungen auf dem Poliklinik-Gelände – Oberbürgermeister wird eiskalt erwischt