© Sheryl Janzen (CC BY-NC 2.0)
© Sheryl Janzen (CC BY-NC 2.0)

Seit mehr als 25 Jahren ist die Internationale Begegnungsstätte bei Problemen und Fragen oftmals die erste Anlaufstelle für MigrantInnen in Bonn. Nun plant die Verwaltung, den Standort in der Quantiusstraße zu schließen und die Angebote in anderen Einrichtungen weiterzuführen. Ein Rettungsversuch in der Sitzung des Hauptausschusses in der vergangen Woche ist knapp gescheitert. Trotz der Proteste zahlreicher Vereine und Organisationen scheint ihr Schicksal somit besiegelt.

Die Integration von unseren neuen MitbürgerInnen ist sicherlich eine der größten Herausforderungen für unsere Gesellschaft“, so Martin Stappen, Sprecher der Piraten im Ausschuss für Internationales. „Umso unverständlicher ist es, dass die Verwaltung plant, die Internationale Begegnungsstätte zu schließen, die eine exzellenten Ruf unter MigrantInnen genießt, gut vernetzt ist und die eine langjährige Erfahrung auf diesem Gebiet vorweisen kann“, so Stappen weiter.

Für viele MigrantInnen ist die Internationale Begegnungsstätte seit mehr als 25 Jahren eine wichtige und oftmals eine der ersten Anlaufstellen, um sich mit Informationen zu versorgen oder sich bei Problemen von den MitarbeiterInnen und zahlreichen ehrenamtlichen HelferInnen beraten zu lassen. Das große und vielfältige Angebot an Sprachkursen, Veranstaltungen und Aktivitäten bietet MigrantInnen die Möglichkeit, sich mit der deutschen Sprache vertraut zu machen und die deutsche Kultur und Lebensweise besser zu verstehen, was ihnen den Start in ihrer neuen Heimat erleichtert.

Es hatte sich in den vergangenen Wochen und Monaten schon angedeutet, dass schwierige Zeiten auf die Begegnungsstätte zukommen könnten. Leider bestätigten sich die Befürchtungen, als die Verwaltung ein Konzept zur Zukunft der Einrichtung vorlegte. Die Pläne sehen vor, dass der Standort in der Quantiusstraße geschlossen wird und die Angebote stattdessen dezentral in anderen Einrichtungen (z. B. Volkshochschule und Jugendzentren) fortgeführt werden. Zudem soll die Koordinierungsstelle für Integrationskurse, die bislang der Begegnungsstätte angegliedert ist, in Zukunft dem Ausländeramt unterstellt werden.

Durch die Schließung der Begegnungsstätte spart die Stadt nach eigenen Angaben Kosten, was – angesichts der Haushaltslage – viele Finanzpolitiker natürlich gerne hören. Tatsächlich ist jedoch davon auszugehen, dass eine Schließung überhaupt nicht zu Einsparungen führen wird. Zwar betragen die Mietkosten für das Objekt in Quantiusstraße rund 55.000 Euro jährlich, jedoch müsste die Volkshochschule wahrscheinlich weitere Räume anmieten, da sie selber unter Platzmangel leidet. Ebenso wenig ist davon auszugehen, dass tatsächlich weniger Geld für Personal, Honorarkräfte und Sachleistungen ausgegeben wird, denn das Angebot soll schließlich weitergeführt werden.

Falls die Vorstellungen der Verwaltung tatsächlich so umgesetzt werden, hätte das vor allem eine weitere Zentralisierung der Bildungsangebote zur Folge. Nun ist es in Politik und Gesellschaft kein neuen Phänomen, dass Personen oder Institutionen versuchen ihren Einfluss auszubauen. Fraglich ist, ob das in diesem Fall wirklich sachdienlich ist.

In den kommenden Wochen wird die Vorlage der Verwaltung in unterschiedlichen Ausschüssen und Gremien beraten. Prinzipiell ist es natürlich zu begrüßen, dass möglichst viele Gremien an Entscheidungsprozessen beteiligt werden. Das Problem in diesem Fall ist jedoch, dass die Begegnungsstätte Planungssicherheit benötigt – insbesondere hinsichtlich der Verlängerung des Mietvertrages –, um ihre zukünftigen Aktivitäten zu planen. Das Thema wird bis zur Sitzung des Hauptausschuss im Juni aktuell bleiben. Erst dann wird endgültig über das Schicksal der Begegnungsstätte entschieden. Selbst falls sich die Stimmung in den Parteien nochmal ändern sollte, wird es dann wahrscheinlich aus den genannten Gründen zu spät sein, die Einrichtung zu retten. Ein letzter Versuch mehrerer Parteien, die Verlängerung des Mietvertrages durch einen Dringlichkeitsantrag zu erzwingen, ist bei der Sitzung des Hauptausschuss in der vergangenen Woche an einer Stimme gescheitert.

Die Piraten fordern den Erhalt der Internationalen Begegnungsstätte, die unter MigrantInnen einen exzellenten Ruf genießt. Angesicht der Flüchtlingszahlen ist es für die Piraten überraschend, dass die Verwaltung die Einrichtung schließen will, die eine langjährige Erfahrung und Expertise auf dem Gebiet der Integration vorweisen kann.

Update: Auf der Sitzung des Hauptausschusses am 23. Juni 2016 hat sich ein breites Bündnis aus SPD, Grünen, Linken, BBB und Piraten für den Erhalt der Internationalen Begegnungsstätte ausgesprochen. Damit dürfte die Zukunft der Einrichtung gesichert sein.

Internationale Begegnungsstätte vor dem Ende – Piraten fordern Erhalt!