Obwohl das neue Schuljahr in wenigen Monaten beginnt, sind viele Familien immer noch auf der Suche nach einem OGS-Platz für ihren Nachwuchs. Die Rede ist davon, dass etliche Betreuungsplätze für das nächste Schuljahr fehlen. Betroffene Familien stehen nun vor der schwierigen Entscheidung, ob sie wirtschaftliche Einbußen in Kauf nehmen, da ein Elternteil in Teilzeit gehen muss, um sich um ihre Kinder zu kümmern oder ob sie im besten Interesse ihres Kindes handeln. Da bislang keine genauen Zahlen bekannt sind, haben die Sozialliberalen die Verwaltung in einer Großen Anfrage um Auskunft gebeten, wie hoch die ungedeckten Bedarfe an Betreuungsplätzen sind.

In den vergangenen Tagen haben sich vermehrt verzweifelte Eltern an uns gewandt, die für das kommende Schuljahr bislang noch keinen OGS-Platz für ihre Kinder gefunden haben. Der Bedarf von etlichen Betreuungsplätzen ist nicht gedeckt und es ist zu bezweifeln, dass bis zum Ende der Sommerferien noch ausreichende Kapazitäten geschaffen werden.

Der Offene Ganztag bietet vielen Eltern erst die Möglichkeit, Familie und Beruf vereinen zu können. Manche Familien stehen angesichts des oftmals ohnehin schon knapp bemessenen Haushaltsbudgets vor der schwierigen Entscheidung, ob ein Elternteil in Teilzeit gehen soll, wodurch sich die finanzielle Situation der Familien weiter zuspitzt, oder die Eltern im besten Interesse ihrer Kinder handeln. Für andere Familien ist dies keine Option, da sie auf beide Gehälter zwingend angewiesen sind.

Das Prinzip des Offenen Ganztag, dass Kindern eine adäquate Nachmittagsbetreuung von qualifizierten und gut ausgebildeten Pädagogen bietet, besteht in Bonn seit zehn Jahren. In vielen Stadtteilen sind die Ganztagsschulen zu einem lebendigen Treffpunkt geworden, an dem Kinder lernen und spielen, ihre Hausaufgaben machen und musische, kreative und sportliche Angebote wahrnehmen können.

Betroffene Familien können für die Untätigkeit von Verwaltung und der regierenden Ratskoalition nur wenig Verständnis aufbringen, weil es sich bei dem Mangel an Betreuungsplätzen nicht um ein kurzfristig auftretendes Problem handelt, sondern sich die künftigen Bedarfe anhand von Geburtszahlen langfristig planen lassen. Obwohl sich alle Parteien einstimmig dafür aussprechen, mehr und bessere Betreuungsmöglichkeiten für Kinder zu schaffen, sind die Maßnahmen, die bislang ergriffen wurden, um dieses Ziel auch tatsächlich zu erreichen, ungenügend.

„Es zeigt sich wieder einmal, dass bei der Schaffung von neuen OGS-Plätzen geschlafen wurde und nun die Eltern im Regen stehen“, kommentiert Sebastian Kelm, Stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Sozialliberalen.

Die Sozialliberalen haben bereits mehrfach gefordert, ausreichende und kostenlose Betreuungsmöglichkeiten für Kinder zu schaffen – eine Forderung, die sich übrigens in allen Wahlprogrammen der großen Parteien zur kommenden Landtagswahl wiederfindet. Es muss nun schnell gehandelt werden, denn es sind nur noch wenige Monate, bis das neue Schuljahr beginnt.

http://www2.bonn.de/bo_ris/daten/o/pdf/17/1711498.pdf

Fehlende OGS-Plätze in Bonn: Eltern stehen im Regen