© Wolkenkratzer (CC BY SA 3.0)

In der vergangenen Ratssitzung wurde von der Jamaika-Koalition beschlossen, die Verwaltung mit der Ausschreibung des Grundstücks am Erzberger Ufer für einen Hotelneubau zu beauftragen. Die Sozialliberalen, die SPD und der Gaststättenverband Dehoga kritisieren die Pläne, da die letzte Hotelbedarfsanalyse aus 2010 stammt und somit überhaupt nicht klar ist, ob es in Bonn Bedarf für ein weiteres Hotel gibt. Ein Änderungsantrag von den Sozialliberalen und SPD, zunächst eine neue Hotelbedarfsanalyse zu erstellen, um auf Basis neuer Daten und Fakten zu entscheiden, fand im Rat leider keine Mehrheit.

„Mit ihrem voreiligen Beschluss auf dem Grundstück des Erzberger Ufer einen Hotelneubau zu realisieren, verhindert die Jamaika-Koalition erneut die Ausarbeitung eines tragfähigen Kompromisses, der die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten berücksichtigt“, kommentiert Sebastian Kelm, Stadtverordneter der Sozialliberalen im Rat der Stadt Bonn, den Ratsbeschluss. „Selbst die Dehoga, die Interessenvertretung der Hoteliers, hat sich gegen einen Hotelneubau ausgesprochen. Da die Hotelauslastung in Bonn mit unter 50 % ohnehin ausbaufähig ist, bezweifeln wir, dass ein weiteres Hotel an diesem Standort wirtschaftspolitisch und städtebaulich wirklich sinnvoll ist“, so Kelm weiter.

Bei der Ratssitzung am vergangenen Donnerstag wurde der geplante Hotelbau am Erzberger Ufer 15 unweit der Beethovenhalle trotz erheblicher Einwände der Sozialliberalen, der SPD und des Gaststättenverbandes Dehoga beschlossen. Das Areal soll für den Bau eines Hotels, vorzugsweise in der Kategorie 3 Sterne, ausgeschrieben werden.

Die Sozialliberalen kritisieren die Pläne, da sich die Jamaika-Koalition und die Verwaltung in ihrer Begründung auf eine Hotelbedarfsanalyse aus 2010 beziehen, in der Projekte wie beispielsweise das Festspielhaus berücksichtigt werden, die letztendlich jedoch nicht realisiert worden sind. Aus diesem Grund haben die Sozialliberalen gemeinsam mit der SPD einen Änderungsantrag eingebracht, der vorsieht, zunächst eine neue Hotelbedarfsanalyse zu erstellen, um auf Basis von neuen Daten und Fakten entscheiden zu können. Anschließend soll ein Architektenwettbewerb durchgeführt werden, der unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten wie Wohnen, öffentlich geförderte Wohnungen, studentische Nutzung, kulturell orientierte Nutzung sowie Hotelnutzung berücksichtigt.

Die Jamaika-Koalition berief sich in ihrer Argumentation auf die Aussage von Michael Kleine-Hartlage, Geschäftsführer der WCCB-Betreibergesellschaft BonnCC, der darauf hinwies, dass Kongressveranstalter ihre Teilnehmer gerne in Mittelklassehotels und möglichst linksrheinisch unterbringen möchten. Der Gaststättenverband Dehoga, der sich vehement gegen einen Hotelneubau am Erzberger Ufer ausgesprochen hat, sieht indes keinen weiteren Bedarf für Hotels in der Kategorie 3 Sterne in Bonn.

Da für das Grundstück in einem früheren Stadtratsbeschluss ausdrücklich auch die Möglichkeit für den Bau von geförderten Wohnraum geprüft werden sollte, wurde von der Jamaika-Koalition zugesagt, den Erlös für die Schaffung von geförderten Wohnungen auf dem Grundstück der ehemaligen Poliklinik zu verwenden. Man habe, so die Ratskoalition, bereits erste Gespräche mit dem Liegenschaftsamt NRW, die das Areal verwaltet, geführt und darüber hinaus ein Vorkaufsrecht für das Grundstück. Leider ist damit noch lange nicht gesichert, dass auf dem Grundstück tatsächlich geförderter Wohnraum entsteht, denn die Stadt kann nur von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen, wenn sie dazu bereit ist, den Betrag des Höchstbietenden zu zahlen. Da es sich bei dem Areal der ehemaligen Poliklinik ebenfalls um ein Filetgrundstück in bester Lage handelt, könnte es für die Stadt noch ein böses Erwachen geben.

Erzberger Ufer: Ratskoalition schiebt Einwände der Sozialliberalen und der Dehoga beiseite