© Steamtalks Steamtalks (CC BY-NC 2.0)
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Nach dem diesjährigen Beethoven-Fest beginnen die Sanierungsarbeiten in der Beethoven-Halle, die rund zwei Jahre dauern sollen. Bei der Suche nach einer geeigneten Ersatzspielstätte ist die Wahl auf das World Conference Center Bonn (WCCB) gefallen, das jedoch nachgerüstet werden muss, um es konzerttauglich zu machen. Hierfür soll eine „Konzertmuschel“ angeschafft werden, die allerdings in der Oper zum Einsatz kommen soll, sobald das Beethoven-Orchester in seine Heimspielstätte zurückkehrt. Bislang ist noch nicht geklärt, aus welchem Budget die Anschaffung finanziert werden soll. Die Piraten sehen hierin eine versteckte Subventionierung der Oper und fordern mehr Transparenz.

Wir sehen ebenso wie die Verwaltung die Notwendigkeit, dem Beethoven-Orchester eine adäquate Ersatzspielstätte zur Verfügung zu stellen“, so Felix Kopinski, Stadtverordneter der Piratengruppe im Rat der Stadt Bonn. „Es ist jedoch einmal mehr enttäuschend, dass die Verwaltung nicht mit offenen Karten spielt und versucht, die Oper durch die Hintertür zu subventionieren. “, so Kopinski weiter.

In der vergangenen Woche hat der Rat beschlossen, dass WCCB mit einem „mechanischen Konzertzimmer“ (auch „Konzertmuschel“ genannt) auszustatten, um den Großen Saal des Kongresszentrums konzerttauglich zu machen. Laut Verwaltung ist die Nachrüstung notwendig, da das WCCB als Ersatzspielstätte für das Beethoven-Orchester dienen soll, sobald die Sanierungsarbeiten für die Beethoven-Halle beginnen.

Die Idee, das WCCB zur vorübergehenden Heimat des Beethoven-Orchesters zu machen, ist nicht neu. Bereits vor drei Jahren hat die Verwaltung dem Stadtrat einen entsprechenden Vorschlag vorgelegt, der jedoch vorerst wieder in den Schublade verschwand. Grund hierfür waren die laufenden Planungen zum Bau des Festspielhauses, das als mögliches Spielstätte für das Beethoven-Orchesters galt. Nachdem sich DHL aus der Finanzierung des Projekts zurückgezogen hatte, kehrte die Verwaltung zu ihrem ursprünglichen Vorhaben zurück, dass Orchester temporär im WCCB unterzubringen. Um dem geneigten Zuhörer eine adäquates Konzerterlebnis gewährleisten zu können, sollte das Kongresszentrum mit einer sogenannten „Nachhallanlage“ sowie mit einer „Konzertmuschel“ ausgestattet werden.

Damals hat die Verwaltung neben dem WCCB als Ersatzspielstätte noch weitere Möglichkeiten geprüft, die Optionen „Mobiles Konzertzelt“ und „Oper als Ersatzspielstätte“ jedoch aufgrund zu hoher Kosten wieder verworfen. Interessanterweise sprach sich die Verwaltung insbesondere deswegen für die Nachrüstung des WCCB aus, da das Kongresszentrum mit einem konzerttauglichen Saal eine „Alleinstellungsmerkmal“ in Deutschland bekäme, das hinsichtlich bessere Vermarktungsmöglichkeiten „positiv zum Tragen kommen könnte“. Umso überraschender kam nun die Empfehlung der Verwaltung, auf die Installation der „Nachhallanlage“ zu verzichten und lediglich die „Konzertmuschel“ anzuschaffen. Begründet wird die Entscheidung mit einem zu engen Zeitplan, der einen mehrere Wochen dauernden Einbau der „Nachhallanlage“ nicht zulasse.

Es ist zwar ärgerlich, dass die Installation der „Nachhallanlage“ offensichtlich daran gescheitert ist, dass entsprechende Planungen und Abstimmungsverfahren zu spät initiiert worden sind, aber immerhin behält das Kongresszentrum durch die Anschaffung einer „Konzertmuschel“ sein Alleinstellungsmerkmal „Konzerttauglichkeit“. Doch weit gefehlt. Wie jetzt bekannt wurde, wird die „Konzertmuschel“ im WCCB nur in der Zeit eingesetzt, in der das Kongresszentrum als Ersatzspielstätte des Beethoven-Orchesters dient. Sobald die Orchesterkonzerte wieder in der sanierten Beethoven-Halle zu hören und sehen sein werden, wird die „Konzertmuschel“ im WCCB abgebaut und fortan in der Oper zum Einsatz kommen.

Bislang ist nicht geklärt, ob die „Konzertmuschel“ aus dem Budget des WCCB oder Oper finanziert werden wird. Fest steht lediglich, dass die Kosten durch die notwendigen Umbauarbeiten im Großes Saal von den ursprünglich veranschlagten 184.000 auf inzwischen 1,1 Mio. Euro gestiegen sind. Da Auf- und Abbau der Apparatur sehr aufwendig sind, ist davon auszugehen, dass beim zukünftigen Umzug der „Konzertmuschel“ vom WCCB in die Oper erneut hohe Kosten anfallen werden.

Letztendlich ist es einmal mehr schade, wie diese Angelegenheit insgesamt abgelaufen ist. Obwohl in der Vergangenheit darauf verwiesen wurde, welche Vorteile es für das WCCB bringen würde, wenn es konzerttauglich gemacht wird, werden nun eben diese Argumente beiseite geschoben und stattdessen durch die Hintertür weiteres unnötiges Spielzeug für die Oper subventioniert. Transparenz sieht anders aus.

Die Piraten stehen der Anschaffung einer „Konzertmuschel“ skeptisch gegenüber, da bislang anscheinend noch nicht geklärt ist, aus welchem Budget die Kosten bezahlt werden sollen. Hierdurch könnte es zu einer verdeckten Subventionierung der Oper kommen, die von den Piraten abgelehnt wird. Leider wurde es seitens der Verwaltung ein weiteres Mal versäumt, für Transparenz zu sorgen.

Eine neue Konzertmuschel für das WCCB – Piraten beklagen Intransparenz