© Sean Mac Entee (CC BY 2.0)

Eigentlich erschließt es sich auf den ersten Blick: Wenn man 100 Bäder in 100 Stadtteilen hat, sind die Wegstrecken extrem kurz. Nimmt man nur ein einziges Bad aus der Gleichung, sind die Wege immer noch sehr kurz. Aber einige Menschen werden dann etwas weiter fahren müssen.

Bonn hat vier öffentliche Hallenbäder in vier Stadtbezirken. Jamaika will zwei der vier Hallenbäder schließen und ein neues Bad bauen. Aus vier Bädern werden also drei Bäder. Logische Konsequenz ist die Verlängerung der Wegstrecken.

Dass sich die Wegstrecken verlängern, liegt auf der Hand. Wir wollten wissen, um wie viel sich die Wegstrecken verlängern würden. Dazu haben wir die Bevölkerungszahlen aus 60 Stadtteilen zusammen getragen und mit den Daten aus einem Routenplaner (Auto, ÖPNV, Fahrrad, zu Fuß) abgeglichen. Für die Altersklasse der Drei- bis Vierjährigen verlängert sich die Wegstrecke um 27,5%.

Vertreter von Grünen, FDP und der Sprecher des Stadtsportbundes versuchen nun auf Biegen und Brechen, diese einfache Logik hinter unserer Berechnung wegzuschwafeln. Die Grünen versuchen es mit Kritik an dem Routenplaner, ohne ihn zu kennen. Der SSB-Vorsitzende bezeichnet die Berechnung als Fälschung. Den Vogel aber schießt der FDP-Vertreter ab: Man müsse einberechnen, was passiere, wenn Kinder aufgrund einer fehlenden Wasserrutsche ins weit entfernte Bornheim fahren wollen würden. Außerdem würde demnächst eine Haltestelle in Nähe des neuen Schwimmbades gebaut. Diese ändert aber kaum etwas (0,03%) am Endergebnis. Alle Kritiker haben gemein, dass sie selber keinerlei Kalkulation vorlegen wollen oder können.

So postfaktisch kann politische Mathematik sein.

Die politische Mathematik