Denk doch mal einer an die Kinder!

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Die Gremien weisen der Rockaue, der Nachfolgerin der Rheinkultur, entgegen der Ankündigungen der letzten Jahre vorerst keine Fördermittel zu. Das finanzielle Risiko des Open-Air-Festivals wird den Veranstaltern alleine überlassen. Die Piraten begrüßen das Durchhaltevermögen der Macher des neuen Rockaue-Festivals und fordern eine ausgewogenere Verteilung der städtischen Fördergelder im Kulturbereich.

Seit 2011 gibt es in Bonn keine Rheinkultur mehr. Man erinnere sich: die Rheinkultur, das Kostenlos-Festival, das zu besten Zeiten 250.000 Besucher in die Rheinaue gelockt hatte und fast 30 Jahre lang eine feste Größe im Bonner Feierkalender war. Begründet wurde dieser Schritt der Veranstalter mit den unkalkulierbaren Risiken, zwar für die Sicherheit von hunderttausenden Menschen garantieren zu müssen, aber gleichzeitig keinerlei Anpassung der Fördersumme an die steigenden Besuchermassen erhalten zu haben. Zugunsten der grassierenden Beethovenmania würden regelmäßig Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, aber gleichzeitig alle anderen Festivalbetreiber mit absurden Auflagen drangsaliert.

Nachdem die Veranstalter der Rheinkultur aus mangelnder Unterstützung der Stadt das Aus der Rheinkultur verkündet hatten, wuschen Rat und Verwaltung ihre Hände in Unschuld. Man habe schließlich 80.000 Euro zur Verfügung gestellt und diese würden auch weiterhin zur Verfügung stehen. Eine Schutzbehauptung, wie sich heute erweist. Denn die Nachfolgeveranstaltung Rockaue, organisiert von ehemaligen Auszubildenden der Rheinkultur-Betreiberfirma, erhält in diesem Jahr vorerst keinerlei Fördergelder der Stadt. Begründet wird dies hinter vorgehaltener Hand mit dem Newcomer-Status der Veranstalter. Man möchte dem „neuen Festival“ nicht 80.000 Euro zuweisen, ohne zu wissen, was man dafür bekommt. Also bekommen die Veranstalter vorerst gar keine Zuschüsse zugewiesen. Offiziell wird von dem Risiko einer ungewissen Haushaltslage gesprochen. Der Schaden sei viel größer, wenn man Gelder verspräche, aber dann in den Nothaushalt rutsche.

„Derartige Bedenken spielen für Festspielhäuser und die Fans klassischer Musik anscheinend keine Rolle.“, so Felix Kopinski, Stadtverordneter und Mitglied im Kulturausschuss für die Bonner Piratenpartei. „Während für das Beethovenfest 70 Euro und in der Bonner Oper weit über 200 Euro pro verkaufter Karte an Subventionen fließen, sind für die Bonner Jugend offensichtlich schon Kleinstbeträge zu viel.“ Zum Vergleich: Ein Besuch der Rheinkultur wurde nur mit jeweils rund 30 Cent unterstützt.

„Wir müssen in Bonn endlich zu einer ausgewogenen Kulturförderung gelangen, die alle Interessen und Geschmacksrichtungen vertritt, nicht nur die der Klassikfreunde. Andernfalls geht die kulturelle Vielfalt an den Leuchtturmprojekten zugrunde. Hochkultur schön und gut, aber auch dieser Topf braucht angesichts der Haushaltslage und ebenso aufgrund des Wandels von Kulturmärkten einen Deckel. Ich freue mich außerordentlich, dass die jungen Festivalmacher trotzdem an ihren Planungen festhalten und nun eben leider Eintrittsgelder verlangen müssen.

Deshalb habe ich mir direkt zehn Eintrittskarten gesichert und werde den Großteil davon an die Kinder von meinen Nachbarn verschenken.“

Die Bonner Piraten setzen sich seit Langem für eine ausgeglichenere Verteilung der für Kultur zur Verfügung stehenden Mittel ein. Mehrere Umfragen der letzten Jahre belegen zudem ein deutliches Überangebot an klassischer Musik in Bonn, dem die Bürger und Bürgerinnen zunehmend skeptisch gegenüber stehen.


Piraten fordern mehr Geld für junge Kultur – zum Beispiel für die Rockaue
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