Coffee-Shop, Apotheke, Cannabis Social Club? Wie ließe sich Jugendschutz realisieren, wenn Cannabis nicht mehr verboten wäre? Welche psychischen Nebenwirkungen hat Cannabiskonsum? Hilft das Zeug wirklich Krebskranken oder wären klassische Medikamente doch besser? Was ist mit künstlichem Haschisch, das man in Onlineshops bestellen kann? Und wie funktioniert die Ausnahmegenehmigung nach Paragraf 3 eigentlich in der Praxis und ist es wahrscheinlich, dass Bonn einen solchen Antrag stellt?

Solche und andere Fragen werden wir bei unserem Cannabisabend mit Professor Heino Stöver diskutieren, denn von ihnen ist der Cannabisantrag berührt, den wir Piraten zusammen mit den Grünen und den Linken in den Sozialausschuss eingebracht haben. Mit dem Legalisierungs-Beschluss der Bundes-FDP vom vergangenen Wochenende ist weiterer Zug in die Debatte gekommen – es scheint so, als würden wir wie schon in den Vorjahren abermals einen Sommer der Cannabis-Euphorie erleben, als wäre das ganze Jahr Cannabis-Sommerloch.

Julia Seeliger, Geschäftsführerin der Piraten und resignierte Ex-Drogenpolitikerin teilt hierzu mit: „Dass sich das Thema so lange in den Medien hält, hätte ich nach den Jahren der gespenstischen Stille, die sich wie ein unbequemer Mantel des Schweigens um die Drogenpolitik gelegt hatte, nicht gedacht.“ In den Parteien hätten Drogenpolitiker viele Jahre ein klägliches Dasein gefristet, fast konnte man das Gefühl bekommen, von den anderen als „Konsumenten“ verspottet zu werden. Eine Zeit hat Seeliger bei der Hanfparade in Berlin mitorganisiert. „Wir kannten es so: im besten Fall ein unambitionierter taz-Artikel, ansonsten im ganzen Internet nur wenige dpa-Ticker-Kopien. Als welt.de vor drei oder vier Jahren auf das Thema aufzuspringen begann, kündigte sich eine Veränderung an. Sicherlich schwappt das auch von den USA rüber, wo man sich in einigen Staaten vom Krieg gegen die Drogen abwendet und einen akzeptierenden Ansatz ausprobiert.“ Auch eine Kampagne des „Hanfverbands“ (kommerzielle Cannabis-Legalisierungslobby) mit einem neuen kommunalpolitischen Focus könnte zu der Renaissance des Kiff-Themas beigetragen haben.

An eine Legalisierung von Cannabis noch in dieser Legislaturperiode glaubt die Piraten-Geschäftsführerin nicht und mahnt zur Besonnenheit: „Wir wollen jetzt mal nicht die Hühner satteln, bevor sie geschlachtet sind“. Seeliger dämpft die Erwartungen, die zurzeit wohl in den Himmel wachsen – fürs legale Kiffen in Bonn müsste auf Bundesebene das Betäubungsmittelgesetz geändert werden, was so unwahrscheinlich sei wie eine Pfingstbotschaft an Ostern. Seeliger: „Eine Legalisierung in dieser Legislatur kommt nicht, auch wenn wir alle wissen, dass Merkel schon so einige überraschende Moves wie beispielsweise die Abschaffung der Wehrpflicht oder den Atomausstieg hingelegt hat.“

Trotzdem bereiten wir uns mittelfristig auf die Legalisierung von Cannabis vor: mit kommunalen Cannabisanträgen, so wie eben am 27. Mai im Sozialausschuss, oder eben mit inhaltlichen Veranstaltungen – so wie der am morgigen Mittwoch.

Nach dem Krieg gegen die Drogen

20. Mai ab 19 Uhr
im „Anno“, Kölnstraße 47

Rückfragen: Piratenbüro 0228/98149900

Cannabis-Antrag (letztes Mal im Sozialausschuss vertagt)

Cannabisabend mit den Piraten und Drogenforscher Heino Stöver
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