Bonner Loch XXL

Die AfD hat am 19. März eigene Pläne zum Bonner Bahnhofsbereich vorgelegt (Artikel im General Anzeiger). Das Ergebnis entspricht den Erwartungen, wenn sich jemand in eine seit Jahrzehnten andauernde Debatte mit einem vermeintlichen “großen Wurf” einschaltet.

Das Bonner Loch, im Hintergrund die Südüberbauung
Das Bonner Loch, im Hintergrund die Südüberbauung und der Hauptbahnhof

Beschreibung der AfD-Planung

  • Abriss der Südüberbauung
  • Straßenbahn im U-Bahnhof
  • Tieferlegung des gesamten Bereichs zwischen Maximilianstraße und Bahnhof auf das Niveau des Bonner Lochs
  • Fußgängerbrücken vom Bahnhof Richtung Poststraße, Maximilianstraße und Florentiusgraben
  • Dach über dem gesamten Bereich über der Dachhöhe das Bahnhofsgebäudes

Städtebauliche Bewertung

Der neue Busbahnhof erinnert an die Situation, wie sie bis vor einigen Monaten an der Kölner Domplatte herrschte: Fußgänger und Straßenverkehr werden auf verschiedenen Ebenen getrennt entsprechend der Ideologie der sechziger Jahre. Der durch den Abriss der Südüberbauung gewonnene Platz wird wieder entwertet durch eine Vergrößerung des Bonner Lochs, nun mit Straßenverkehr. Der Graben macht die angrenzenden Gebäude optisch noch massiver, das Glasdach überspannt Teile des historischen Bahnhofsgebäudes, erschlägt es förmlich.

Machbarkeit

Abriss der Südüberbauung

Der Abriss der Südüberbauung ist unabdingbare Voraussetzung für die Umsetzung der Pläne. Das Gebäude gehört ca. 40 verschiedenen Eigentümern, die hierdurch Ende der 1970er Jahre für den Abriss ihrer Häuser im Zuge des U-Bahn-Baus entschädigt wurden. Das Gebäude gilt als städtebaulicher Schandfleck, es besteht ein breiter Konsens, dass jede Veränderung des Komplexes einen Gewinn für die Stadt darstellen würde. Alle bisherigen Pläne scheiterten am Widerstand einzelner Eigentümer. Die rechtlichen Möglichkeiten der Stadt, einen Abriss zu erreichen sind sehr beschränkt. Es ist mit umfangreichen Gerichtsverfahren zu rechnen, deren Ausgang ungewiss ist und die jede weitere Entwicklung im Bahnhofsbereich für mindestens weitere 10 Jahre blockieren würden.

Tieferlegung der Straßenbahn

Weitere Voraussetzung für die Umsetzung der Pläne ist die Tieferlegung der Straßenbahn. Dies ist prinzipiell in der Konstruktion des U-Bahnhofs vorgesehen, die skizzierte Lösung ignoriert aber den baulichen Bestand komplett. Die Südunterführung ist aus dem bestehenden U-Bahnhof nicht erreichbar. In der Nähe der Südunterführung befindet sich ein Tunnelstutzen – allerdings 10-15 Meter unterhalb des Geländeniveaus. Selbst bei nur 10 Metern und Ausnutzung der maximalen Steigfähigkeit der Fahrzeuge von 6% wäre eine Streckenlänge von knapp 170 Metern notwendig, um die Oberfläche zu erreichen. Damit müssen sich die Autoren die Frage gefallen lassen, ob sie eine Tunnelrampe auf der Poppelsdorfer Allee bauen wollen oder gleich die komplette Hardtbergbahn, womit die Kosten gleich nochmal um einen dreistelligen Millionenbetrag steigen würden.

Busbahnhof

Der Busbahnhof soll komplett ins Tiefgeschoss verlegt werden. Fahrgäste, die bislang die Innenstadt ebenerdig erreichen konnten, müssen zukünftig Treppen oder Rampen überwinden.

Der Bereich ist in Ost-West-Richtung ausgerichtet; Das bedeutet, dass der Busbahnhof den gesamten Tag vom Bahnhofsgebäude beschattet wird. Zusätzlich verdunkeln die massiven Brückenbauwerke den Bereich, so dass trotz des Glasdachs ein dunkler Ort entsteht, der absehbar genau die Situation wiederauferstehen lässt, die in den Innenbereichen der Südüberbauung beseitigt werden soll.

Funktional blendet der Entwurf die Fragestellung aus, wie der Verkehr aus der Wessel- und Kaiserstraße in den Kellerbereich geführt werden soll.

Glasdach

Das Glasdach erscheint gänzlich überdimensioniert, erschlägt das historische Bahnhofsgebäude. Durch die beträchtliche Höhe über dem Boden scheint zudem die Funktion als Wetterschutz nur sehr eingeschränkt gegeben.


Urheber Bonner Loch Panorama: Flickr-Nutzer spaztacular / CC-BY

Die Sechziger-Jahre-Pläne der AfD zum Bonner Bahnhofsbereich
Markiert in: